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Sie glauben, Roséweine, auch Rosé-Schaumweine, entstehen durch die Mischung von Rot und Weiß? Reiner Mythos, weit gefehlt …!
Viele glauben immer noch, für Pink im Glas wird einfach Rot- mit Weißwein gemischt. Stimmt nicht! „Das ist in der EU bei stillen Weinen streng verboten“, erklärt Diplom-Weinsommelier Boris Penkoff. Pink-Weine werden tatsächlich ganz einfach aus roten Trauben gepresst. Das Fruchtfleisch und der Saft auch von roten Trauben sind nämlich von Natur aus klar und hell. Die roten Farbpigmente sitzen ausschließlich in der Traubenschale.
Rosé kommt von Rot – aber testen Sie selbst!
Wenn man eine rote Traube isst, also erst einmal abbeißt bzw. die Schale vorsichtig entfernt, sieht man es sofort: Nur die Schale ist dunkel, innen drin, das Fruchtfleisch, ist immer hell. Ob der daraus gepresste Wein rot, rosé ist oder sogar sehr hell ist, hängt allein vom Timing des Winzers beim Pressen ab. „Würde ich blaue Trauben ganz schnell pressen, hätte ich übrigens Weißwein“, so Boris Penkoff.
Für Roséweine werden die Trauben leicht gequetscht. Der Saft bleibt nur für wenige Stunden (meist 2 bis 24 Stunden) gemeinsam mit den Schalen auf der „Maische“ liegen. Sobald der perfekte Pink-Ton erreicht ist, wird abgepresst und der Saft ohne Schalen kühl vergoren. Das Ergebnis reicht von zartem Lachsrosa bis kräftigem Himbeerrot im Glas – gut gekühlt und elegant bei der Cocktailfeier, das passt und schmeckt gut.
Eine der ganz wenigen Ausnahmen weltweit, wo Weiß- und Rotwein gemischt werden dürfen, ist die Champagne, wo für rosafarbenen Schaumwein ein kleiner Teil Rotwein hinzugefügt werden darf.
Sommerwein – es kommt auf die Temperatur an!
Statt schwerer, wuchtiger Tropfen suchen wir jetzt vor allem eines: pure Erfrischung! Aber was macht einen Wein eigentlich zum perfekten Sommerwein?
„Wer Rotwein trinkt, kühlt ihn heute auf 13 bis 17 Grad herunter.“ Penkoff erinnert sich, dass das noch vor wenigen Jahren anders war: „Da haben wir Rotweine bei einer Trinktemperatur von ca. 19 Grad serviert.“ Geschmäcker verändern sich.
Je unkomplizierter der Wein ist, desto kühler darf er ins Glas, um maximal erfrischend zu wirken. Für Roséweine liegt die ideale Trinktemperatur im Sommer zwischen 7 und 10 °C. Kräftige, strukturierte Rosés trinkt man besser bei 9 bis 11 °C. Hochwertigere oder dunklere Roséweine entfalten so ihre vollen Beerenaromen viel besser. Auch weiße Sommerweine erfrischen die Kehle mit um die 7 bis 10 °C.
Und noch etwas merkt Boris Penkoff an: „Sommerweine sollten kein Holzfass gesehen haben – man will kein spürbares Holz am Gaumen haben, das spräche der Saftigkeit entgegen.“
Sommerwein aus Österreich – der Schilcher ist DER „Hype in Pink“!
Wenn es um den ultimativen Sommer-Frischekick geht, führt in Österreich kein Weg an ihm vorbei: dem Schilcher aus der Weststeiermark. Gewonnen aus der urtypischen Blauen Wildbachertraube, ist er die personifizierte Lebendigkeit im Glas. Und für den absoluten Sommer-Vibe greift man zum Schilcher Frizzante oder Schilchersekt. Die Kombination aus der vibrierenden Schilcher-Säure und spritziger Kohlensäure ist wie eine eingebaute Klimaanlage für den Gaumen. Und auch perfekt zur steirischen Brettljause im Sommer.
Sommer im Weinglas – internationale Entdeckungen:
Denkt man beim Rosé international, kommt vielen sofort die französische Provence in den Sinn. Doch Hand aufs Herz: Diese oft sehr mineralischen, anspruchsvollen Weine sind nicht immer die typischen, unbeschwerten „Easy-Drinking“-Sommerweine für jede Gelegenheit. Man kann sich auf der Weinlandkarte aber auch woanders umschauen:
- Spanien (Navarra): Direkt neben der berühmten Rioja-Region liegt die Region Navarra. Die dortigen Rosés aus der Garnacha-Traube sind herrlich fruchtig, unkompliziert und extrem angenehm an heißen Tagen.
- USA (Kalifornien): Für alle, die es etwas verspielter mögen, bietet Kalifornien den „White Zinfandel“. Das ist die Rebsorte Zinfandel, in Roséform ausgebaut, – oft mit einer charmanten, fruchtbetonten Art.
Bei den Weißweinen gibt es international einen absoluten Sommer-König: den Vinho Verde aus Portugal. Mit nur 9 bis 11 % Alkohol und einer ganz dezenten, spritzigen Kohlensäure ist er der Inbegriff eines leichten Sommerweins.
Wer es knackig, zitrusfrisch und extrem animierend mag, findet im deutschsprachigen Raum phänomenale Alternativen. Aromen von Zitrone und Limette wirken am Gaumen wunderbar belebend. Perfekt dafür sind:
- Österreich: Unser Parade-Veltliner oder ein spritziger Welschriesling.
- Deutschland: Knackige, mineralische Rieslinge.
- Aromarebsorten: Wer es maximal fruchtig und duftig mag, greift in Österreich zu Gelbem Muskateller, Sauvignon Blanc oder der autochthonen Besonderheit Sämling 88 (Scheurebe).
Gepimpte Sommerweine: Erlaubt ist, was kühlt
Wer noch mehr Frische will, kann den Wein auch „pimpen“. Ein paar frische Minzblättchen oder eine Scheibe Limette im Glas sehen nicht nur toll aus, sondern sorgen durch ätherische Noten (wie man sie vom Eukalyptus kennt) für ein spürbar kühlendes Gefühl am Gaumen.
Kleiner Winzer-Tipp am Rande: Für eine spritzige Schorle oder zum Pimpen reicht ein einfacher, ehrlicher Qualitätswein. Für einen absoluten Top-Muskateller wäre es fast schade – den genießt man lieber pur!
Schaumwein-Trend „Pet Nat“ – was ist das eigentlich?
In den Weinbars poppt er überall auf: der Pet Nat (Pétillant Naturel). Er gehört in die Schaumweinkategorie, unterscheidet sich aber fundamental von der klassischen Sektherstellung. Wo liegt der Unterschied?
- Die klassische Methode (Sekt/Champagner): Hier macht man erst einen ganz normalen Wein (z.B. einen Chardonnay) ohne Kohlensäure. Dieser kommt mit Zucker und Hefe in eine Druckflasche. Bei dieser zweiten Gärung frisst die Hefe den Zucker und erzeugt CO2 (die Bläschen), das nicht entweichen kann. Danach wird die Flasche „abgerüttelt“, damit die Hefe in den Flaschenhals wandert. Beim sogenannten Degorgieren wird der Flaschenhals eingefroren (-20 bis -25 °C), die Flasche geöffnet, der gefrorene Hefepropfen schießt heraus und die Flasche wird wieder aufgefüllt.
- Die Pet-Nat-Methode: Hier gibt es keine eingeleitete zweite Gärung! Es läuft alles über die erste, natürliche Gärung des Traubensaftes. Am Anfang lässt man das entstehende CO2 ganz normal entweichen. Doch bevor die Gärung zu Ende ist, wird der noch gärende Wein in die Flasche gefüllt und mit einem Kronenkorken verschlossen. Die Hefe frisst den restlichen eigenen Traubenzucker direkt in der Flasche auf. Die Kohlensäure bleibt drin, und die Hefe bleibt oft als natürliches Depot in der Flasche. Das Ergebnis? Ein herrlich unangepasster, maximal fruchtiger, saftiger und handwerklicher Prickler – perfekt für den Sommer!
- Zur Vollständigkeit: Beim Frizzante wird Kohlensäure unter hohem Druck in den Tank hineingeschossen. Der Wein wird also quasi mit Bläschen „eingesprüht“. Weil sich die Kohlensäure bei dieser Methode nicht natürlich durch Gärung mit dem Wein verbindet, ist sie im Glas etwas grobperliger. Die Bubbles sind zwar im ersten Moment super erfrischend, verfliegen aber im Glas relativ schnell.
Wir danken Diplom-Weinsommelier Mag. jur. Boris Penkoff für die fachliche Expertise beim Artikel und das herrlich erfrischende Gespräch zum Thema Sommerweine – Prost, Gesundheit und wohl bekomm‘s!
Das WIFI Steiermark hält viele Bildungsveranstaltungen zum Thema Wein für Sie bereit – möchten Sie hineinschnuppern? Hier eine Auswahl:
- WIFI-Wein-Welt Basisseminar
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