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Der Export ist und bleibt der Wachstumsmotor Nummer eins für die österreichische Wirtschaft. Doch was macht die Faszination des globalen Handels aus? Und warum scheitern trotzdem so viele Firmen an den eigenen Erwartungen?
Ernst Kurzmann kennt die Antworten. Als studierter Exportkaufmann (WU Wien) weiß er, dass die Exportwirtschaft aktuell so stark gefordert ist wie selten zuvor. Zollproblematiken, komplexe Exportkontrollen, Sanktionen und Embargos prägen das Tagesgeschäft. Und doch liegt genau hier die größte Chance für den Mittelstand.
Mythos widerlegt: Ist Export nur etwas für Großkonzerne?
Es ist einer der hartnäckigsten Irrglauben in der Wirtschaft: „Export ist nur etwas für die ganz Großen.“ Die Realität sieht völlig anders aus. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besitzen die nötige Flexibilität, um Nischen auf dem Weltmarkt schnell zu erkennen und erfolgreich zu besetzen.
Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Sind viele KMU schlicht zu naiv für den globalen Markt?
„Die wahre Gefahr liegt nicht in der Größe des Unternehmens, sondern in einer fatalen Naivität.“ – Ernst Kurzmann.
Viele Betriebe scheitern, weil sie den internationalen Handel wie ein erweitertes Inlands- oder EU-Geschäft betrachten. Wer ohne gründliche Vorbereitung den Sprung auf Drittlandmärkte wagt, wird von der Realität des globalen Business schnell eingeholt.
Warum sich umfassendes Wissen im internationalen Handel bar auszahlt
Wer zum ersten Mal in ein Drittland – wie die Schweiz, Bosnien oder Großbritannien – exportiert, steht meist vor einer Wand aus bürokratischen und organisatorischen Hürden.
Ein häufiger Fehler in der Praxis: Unternehmen versuchen, ihr bestehendes Personal ohne Vorkenntnisse intern anzulernen. Dadurch entstehen gravierende Fehler im Risikomanagement. Diese führen im Ernstfall nicht nur zu teuren Geldstrafen, sondern können sogar Haftstrafen nach sich ziehen.
Die wichtigsten Bausteine im Export-Risikomanagement:
- Zollabwicklung und korrekte Zolltarifnummern
- Finanzierung und internationale Bankgarantien
- Rechtssicherheit bei Verträgen und Haftungsfragen
- Logistik, korrekte Verpackung/Verladung und Transporte
- Incoterms (internationale Lieferbedingungen)
Stolperfalle Produkt-Ursprung: Wo liegen die Probleme?
Ein klassisches Beispiel aus der Praxis ist der Warenursprung. Der Ursprung einer Ware ist nicht automatisch das Land, aus dem sie versendet wird. Ein in Österreich hergestelltes Produkt behält diesen Ursprungsstatus nur, wenn auch die wesentliche Wertschöpfung im Land stattgefunden hat.
Dies wird über hochkomplexe Listen- und Wertschöpfungsregeln definiert. Bereits kleinste Abweichungen bei eingekauften Vormaterialien können den präferenziellen Ursprungsstatus vernichten.
Blick über den Tellerrand: Der Schritt nach Übersee
Internationaler Handel ist keine Einbahnstraße. Um erfolgreich exportieren zu können, muss man oft vorher Rohstoffe oder Bauteile aus internationalen Strömen importieren, da komplexe Produkte niemals komplett im eigenen Land gefertigt werden.
Viele KMU sind stark auf den osteuropäischen Markt und die Balkanländer ausgerichtet und zögern beim Schritt nach Übersee. Dabei bieten schnell wachsende Märkte wie China, Indien, Südkorea, Indonesien oder Malaysia enorme Chancen.
Exportieren ohne physische Ware: Es trifft auch Dienstleistungen
Auch für Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und kleine Dienstleister lohnt sich der globale Markt. Ein herausragendes Beispiel für den internationalen Erfolg eines KMU ist der digitale „Bolus“-Sensor aus Graz. Dieser Sensor misst direkt im Körperinneren von Kühen Daten wie Körpertemperatur, Wiederkauverhalten und Trächtigkeit.
Mittlerweile befindet sich dieser Sensor weltweit in tausenden Kuhmägen von Südamerika bis Australien. Die Überwachung und die Abrechnung der Lizenzgebühren erfolgen komplett digital aus der Heimat. Ein perfektes Beispiel dafür, wie ein ursprüngliches kleines Start-up weltweit erfolgreich sein kann.
Zukunftsausblick: Export und künstliche Intelligenz (KI)
Kann KI den Exportprozess automatisieren? Die klare Antwort lautet: Nur, wenn das Fundament stimmt.
Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz von KI im Export sind tiefes Fachwissen und eine fundierte Grundbildung. Um die Unterstützung einer KI zu nutzen, muss man schließlich die richtigen Fragen stellen können. Wer noch nie von Exportkontrolle gehört hat, kann die KI nicht danach fragen. Zudem ist eine fachliche Kontrolle der KI-Antworten unerlässlich. Ohne menschliches Know-how geht es im globalen Handel auch in Zukunft nicht.
Fazit: Der Export bietet für KMU gigantische Wachstumschancen. Wer jedoch langfristig erfolgreich sein will, muss die Hausaufgaben im Risikomanagement und Zollrecht erledigen. Mit dem richtigen Fachwissen und Know-how steht dem globalen Erfolg nichts im Weg.
Univ.-Lektor Ernst Kurzmann, MBA, ist als selbstständiger Unternehmensberater, Wirtschaftstrainer und Fachbuchautor in den Fachgebieten Exportwirtschaft, Logistik und Supply Chain Management tätig. Nach langjährigen Management-Stationen bei internationalen Konzernen wie Unilever, Alcatel und PepsiCo betreut Ernst Kurzmann heute Unternehmen im Bereich der Internationalisierung und Prozessoptimierung. Er ist zudem Fachbuchautor der Werke „Supply Chain Management“ und „ManagemANT“ sowie Lehrgangsleiter am WIFI Steiermark.
Wo kann man sich das für den Export nötige, praktische Expertenwissen zeiteffizient aneignen?
Der Diplomlehrgang Export am WIFI Steiermark ist eine komprimierte, berufsbegleitende Wochenendausbildung. Die Trainerinnen und Trainer sind keine Theoretiker, sondern im internationalen Export erfahrene Praxis-Profis, die auch für den persönlichen Austausch offen sind. Zum Team gehören unter anderem:
-
der Leiter der Exportkontrolle eines großen, international erfolgreichen Grazer Top-Konzerns
-
ein selbstständiger Rechtsanwalt, der auf internationales Vertragsrecht spezialisiert ist
-
eine Juristin, die jede Nische der steirischen Exportförderungen kennt
-
ein gerichtlich beeideter Sachverständiger, spezialisiert auf Haftungsfragen und Themen wie Transportversicherung, Verpackung und Verladung
- und viele weitere Expertinnen und Experten aus den Bereichen Finanzierung, Exportförderung, Transportrecht, Logistik, Fremdwährungsmanagement etc.
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Finanzielle Tipps:
- Das Landesgremium Außenhandel der WKO Steiermark unterstützt außenwirtschaftsrelevante Weiterbildungen (wie Zoll, Außenhandel oder Sprachen) häufig mit einer Förderung von bis zu 50 Prozent der Nettokurskosten (max. 500 Euro pro Firma und Jahr).
- Auch die Steirische Wirtschaftsfördergesellschaft SFG fördert den WIFI Diplomlehrgang Export, ebenso den Diplomlehrgang Logistik sowie den Diplomlehrgang Supply Chain Management.
Beratung und Buchung auch unter Tel. 0316 602 1234
Bildcredits: © GustavsMD | stock.adobe.com (Header), © WIFI Steiermark (Portrait Ernst Kurzmann)
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