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Wer von einem Beckenrand zum anderen kommt, ist nicht automatisch sicher im Schwimmen. Denn Wasserkompetenz bedeutet viel mehr als sich über Wasser zu halten: Sie umfasst die Fähigkeit, sich sicher im Wasser zu bewegen, zu tauchen, zu springen und auch Gefahren rechtzeitig zu erkennen.
Egal ob im Pool, im öffentlichen Schwimmbad, im See oder auch im Meer: Wer sich im und am Wasser bewegt, braucht Wasserkompetenz. Aber was genau ist damit gemeint? „Wasserkompetenz ist eine breite Basis. Je breiter diese Basis ist, desto besser kann ich mich im Wasser bewegen und mit unterschiedlichen Situationen umgehen“, erklärt MMag. Thomas Plautz, LW u.a. Schwimmen, Triathlon und Fitsport, Lehrscheininhaber ÖJRK, Dipl. Coach und Lehrgangsleiter des Diplomlehrgangs Schwimmtrainer am WIFI Steiermark. Wasserkompetenz umfasst also einen rundum sicheren Umgang mit dem Element Wasser.
Zu den Fähigkeiten einer wasserkompetenten Person gehören etwa:
- eine gute Wasserlage
- sich im Wasser drehen und wieder aufrichten können
- Orientierung im und unter Wasser
- Tauchen
- Springen
- grundlegende Schwimmtechniken
- Gefahren erkennen und richtig einschätzen
- eigene Fähigkeiten realistisch beurteilen
Wasserkompetenz entsteht dabei nicht von heute auf morgen. Sie hängt natürlich davon ab, wie oft man mit Wasser in Berührung kommt. Genau hier sieht Herr Plautz derzeit große Unterschiede: Während manche schon im frühen Kindesalter regelmäßig Erfahrungen im Wasser sammeln, fehlt anderen der Zugang zu Schwimmbädern oder -kursen – etwa wegen hoher Kosten oder einer weiten Entfernung zu Schwimmbädern.
Gerade bei Kindern ist es aber entscheidend, dass auch Eltern Risiken richtig einschätzen können. „Ich sehe leider immer wieder, dass Eltern selbst wenig Wasserkompetenz haben. Das ist äußerst fatal, denn Kinder können im Wasser sehr schnell in eine gefährliche Situation geraten“, betont Herr Plautz.
Warum Wasserkompetenz lebenswichtig sein kann
Schwimmen zu können ist eine wichtige Grundlage. Wasserkompetenz geht allerdings darüber hinaus. Auch geübte Schwimmer:innen können nämlich plötzlich in Situationen geraten, in denen technisches Know-how nicht ausreicht.
„Eine mangelnde Wasserkompetenz kann im schlimmsten Fall zum Tod führen“, betont Plautz. Schwierigkeiten können etwa durch starke Strömungen, Wellengänge, plötzliche Wassertemperaturunterschiede oder einen Krampf entstehen.
Aus eigener Erfahrung kennt Plautz die Gefahren im Meer: „Früher war ich oft Wellenreiten in Portugal. Dort gibt es Stellen, wo die Strömung lebensgefährlich ist. Manche Menschen nehmen die Gefahr nicht wahr oder unterschätzen sie“, erzählt er.
Aber auch in heimischen Seen ist es wichtig, aufmerksam zu sein. Man sollte hier zum Beispiel stets darauf achten, von anderen Wassersportler:innen und Booten gut erkannt zu werden.
Wenn man gut schwimmen kann, heißt das also nicht, dass man automatisch sicher im Wasser ist. Wichtig ist nämlich auch, die Umgebung zu beobachten. Nur wer die nötige Wasserkompetenz besitzt, weiß, wie man sich aus schwierigen Situationen befreien kann.
Um Gefahren im Wasser zu vermeiden, kann man zum Beispiel:
- eine farbige Badehaube tragen, um nicht von Booten übersehen zu werden
- eine Schwimmboje mitnehmen, um für Krämpfe vorbereitet zu sein (insbesondere, wenn man allein schwimmt)
- sich über die Strömung im Meer informieren
- auf starke Wassertemperaturunterschiede achten (insbesondere wichtig für ältere Leute, um Herz-Kreislauf-Probleme zu vermeiden)
Schwimmen lernen beginnt mit Vertrauen
Die Grundlage für Wasserkompetenz wird schon vor dem Lernen einer Schwimmtechnik gelegt. Wichtig ist zuallererst, sich im Wasser wohlzufühlen.
Mit der Wassergewöhnung kann man tatsächlich schon sehr früh beginnen. Babyschwimmen ist etwa eine Methode, um Babys schon bald nach der Geburt mit dem Wasser vertraut zu machen. „In diesem Alter haben wir noch die natürlichen Reflexe aus dem Mutterleib. Die Babys machen sofort den Mund zu, wenn sie unter Wasser sind“, erklärt Herr Plautz.
Das klassische selbstständige Schwimmenlernen ist dann etwa ab drei Jahren möglich. Doch auch in diesem Alter stehen nochmals zunächst die Sicherheit und das generelle Wohlbefinden im Wasser im Mittelpunkt. „Kinder lernen das Schwimmen viel leichter, wenn sie zuerst mit dem Wasser experimentieren dürfen“, so Herr Plautz. Spritzen, Eintauchen, Ausatmen unter Wasser oder das Liegen auf der Wasseroberfläche gehören zum Beispiel zu den spielerischen Erfahrungen.
Erst wenn sich das Wasser vertraut anfühlt, rücken Schwimmtechniken in den Vordergrund. In Österreich wird traditionell mit dem Brustschwimmen begonnen. Aber auch Kraul- oder Rückenkraulschwimmen eignen sich grundsätzlich gut als Einstieg.
Ob jemand tatsächlich wasserkompetent ist, lässt sich schließlich daran erkennen, wie ruhig sich die Person im Wasser verhält. „Das Ziel ist, dass Menschen sich nicht nur über Wasser halten und eine Strecke schwimmen können, sondern dass sie sich dabei angstbefreit und sicher fühlen“, hebt Herr Plautz hervor.
Wasserkompetenz kann auch im Erwachsenenalter entstehen
Wer als Kind nicht viele Erfahrungen im Wasser gemacht hat, kann das später nachholen. Auch wenn Erwachsene teilweise anders lernen als Kinder, können sie grundsätzlich problemlos schwimmen lernen.
„Das größte Thema bei Erwachsenen ist oft der Kopf“, so Herr Plautz. Anders als Kinder denken Erwachsene mehr über mögliche Risiken nach. Daher braucht es auch mehr Erklärung. Trainer:innen sollten individuell darauf eingehen, wo die Person gerade steht. „Das Wichtigste ist, dass man das Ganze Schritt für Schritt angeht. Man braucht einfach ein bisschen Geduld“, erklärt er.
Natürlich hat auch die persönliche Motivation einen großen Einfluss auf Lernerfolge. Das zeigt ein Beispiel aus der Praxis: „Ein erwachsener Teilnehmer wollte unbedingt schwimmen lernen, nachdem ihm klar geworden ist, dass er seinem eigenen Sohn im Ernstfall nicht helfen könnte“, berichtet Plautz. Dieser Gedanke wurde zu seinem Antrieb.
Eine gute Schwimmausbildung schafft Sicherheit und Vertrauen
Wasserkompetenz kann man besonders gut vermitteln, wenn fachliches Wissen und ein positives Lernumfeld kombiniert werden.
„Ein Schwimmunterricht ist gut, wenn die Leute Freude daran haben und gerne wiederkommen“, sagt Plautz. Neben technischem Wissen brauchen Schwimmtrainer:innen deshalb auch Kommunikationsfähigkeit, Empathie und ein wenig Humor.
Professionelle Trainer:innen gehen dabei auch auf die einzelnen Mitglieder der Gruppe ein: Wann braucht jemand mehr Unterstützung? Gerade bei Angst ist eine individuelle Begleitung entscheidend. Wer sich wohlfühlt und Vertrauen fasst, kann auch schneller lernen.
Einer der schönsten Momente in seiner Arbeit sei für Herrn Plautz jener, in dem ein Kind plötzlich merkt, dass es selbstständig schwimmen kann. Beim Üben unterstützt er es zuerst noch mit einer Hand. Nach und nach nimmt er diese weg, bis das Kind allein weiterschwimmt. „Wenn ich dann sage ‚Hey, du schwimmst ja schon ganz allein!‘, hört das Kind plötzlich auf. Aber in dem Moment versteht es, dass es das kann“, schmunzelt er.
Wasserkompetenz professionell vermitteln
Wer selbst Menschen auf dem Weg zu mehr Sicherheit im Wasser begleiten möchte, braucht neben Schwimmtechnik auch pädagogische und sicherheitsrelevante Kompetenzen.
Im Diplomlehrgang Schwimmtrainer am WIFI Steiermark beschäftigen sich die Teilnehmer daher mit einer breiten Basis:
- Wassergewöhnung
- Wasserbewältigung
- spielerischer Umgang mit dem Element Wasser
- Sicherheits- und Rettungsaspekte
- unterschiedliche Schwimmtechniken (Fokus auf Brust-, Kraul- und Rückenkraulschwimmen)
- Springen
- Tauchen
- richtiger Umgang mit Gruppen und Kommunikation
- Organisation von Kursen
Dafür werden verschiedene Theorie-Module mit praktischen Einheiten verknüpft. Voraussetzung für diesen Diplomlehrgang ist die Absolvierung des Grundlehrgangs „Gesundheit und Sport“ bzw. die Ausbildung „Diplomlehrgang Personal Fitness- und Functionaltrainer:in“. Wer allerdings entsprechendes Wissen aus anderen Ausbildungen nachweisen kann, wird bezüglich Anrechnungen gerne beraten.
Die Ausbildung als Schwimmtrainer:in kann sowohl als hauptberufliche Tätigkeit gesehen werden, als auch als hilfreiche Zusatzqualifikation dienen – etwa für Menschen aus dem Bereich Pädagogik, Physiotherapie, Ergotherapie oder Sport.
MMag. Thomas Plautz ist Rechts- und Sportwissenschaftler, diplomierter Coach und Lehrscheininhaber des Österreichischen Jugendrotkreuzes, sowie Trainer in unterschiedlichen Bereichen (Biografiearbeit, Achtsamkeit- und Stressmanagement usw.). Seine sportlichen Schwerpunkte liegen neben dem Schwimmen allgemein im Bewegen als Gesundheitssport.
Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Schwimmausbildung für verschiedene Zielgruppen. Im Primärsportmodell in Graz baute er den Schwimmbereich mit auf und arbeitete mit Kindergarten- und Schulgruppen im Wasser. Auch heute ist er selbst als Trainer tätig und begleitet etwa Erwachsene beim Schwimmen. Am WIFI Steiermark leitet Herr Thomas Plautz den Diplomlehrgang Schwimmtrainer und unterrichtete auch im Lehrgang Kindergesundheitstrainer.
Häufige Fragen zur Wasserkompetenz
- Was versteht man unter Wasserkompetenz?
Wasserkompetenz bedeutet viel mehr als nur schwimmen zu können. Sie umfasst einen sicheren Umgang im und ums Wasser, Schwimmtechniken und das realistische Einschätzen von Gefahren.
- Warum ist Wasserkompetenz so wichtig?
Wasserkompetenz führt zu Sicherheit im und am Wasser. Sie hilft dabei Gefahren wie Strömungen, Wellengänge oder Erschöpfung besser einzuschätzen und somit Notsituationen weitgehend zu vermeiden.
- Ab wann sollten Kinder schwimmen lernen?
Kinder können schon früh erste Wassererfahrungen sammeln. Im Mittelpunkt steht dabei aber zunächst das spielerische Element. Laut MMag. Thomas Plautz ist das gezielte Lernen von Schwimmtechniken circa ab dem dritten Lebensjahr möglich.
- Kann ich auch als Erwachsener noch schwimmen lernen?
Ja, auch Erwachsene können Schwimmen lernen und Wasserkompetenz aufbauen. Dabei gibt es allerdings häufiger Ängste als bei Kindern, weshalb eine schrittweise Herangehensweise und eine individuelle Begleitung sehr wichtig sind.
- Woran erkennt man, dass jemand wasserkompetent ist?
Wasserkompetenz zeigt sich zum Beispiel durch eine gute Wasserlage, entspannte Bewegungen, gute Orientierung im Wasser und Gelassenheit.
- Was macht eine gute Schwimmtrainerin oder einen guten Schwimmtrainer aus?
Zusätzlich zu einer guten Technik braucht es Beobachtungsgabe, Empathie, Kenntnisse zur Sicherheit und Rettung sowie den richtigen Umgang mit Gruppen.
Bildcredits: © FS-Stock | stock.adobe.com (Header), © Viktoria Toferer/Brand Images (Porträt T. Plautz)
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