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Technik, technische Gewerbe

So wird aus Photovoltaik ein intelligentes Energiesystem

Große Dachfläche, hoher Stromverbrauch – damit scheint die passende Photovoltaikanlage schnell gefunden. In der Praxis reicht diese Rechnung nicht. Photovoltaik richtig zu planen heißt, zuerst zu klären, wann Strom gebraucht wird, welchen Ertrag der Standort ermöglicht, welche Lasten das Gebäude aufnehmen kann und welche technischen Grenzen der Netzanschluss setzt. Erst dann lassen sich Anlagenleistung, Wechselrichter, Speicher und Wirtschaftlichkeit sinnvoll beurteilen.

Ein entscheidender Punkt ist dabei das Zusammenspiel von Erzeugung und Verbrauch. Es reicht nicht zu wissen, wie viel Strom eine Anlage im Jahr produziert und wie hoch der jährliche Stromverbrauch ist. Entscheidend ist vielmehr, wann der Solarstrom erzeugt wird und ob zu diesem Zeitpunkt auch entsprechende Verbraucher vorhanden sind.

Für Fachkräfte aus Elektro-, Energie- und Gebäudetechnik gewinnt damit die Projektierung weiter an Bedeutung. Wer sich in Richtung Photovoltaikplanung entwickeln möchte, braucht neben elektrotechnischem Know-how auch Wissen über Lastprofile, Ertragsabschätzung, Gebäudestatik, Speichertechnologien und Energiemanagement.

Eigenverbrauch: Erfolgsfaktor für das Energiesystem der Zukunft

Die Leistung einer Photovoltaikanlage wird in Kilowattpeak, kurz kWp, angegeben. Wie viel Energie eine Anlage tatsächlich erzeugt, hängt unter anderem von Sonneneinstrahlung, Temperatur, Ausrichtung, Neigung und Systemverlusten ab.

Für eine erste Ertragsabschätzung eignet sich etwa PVGIS, das Photovoltaic Geographical Information System des Joint Research Centre der Europäischen Kommission. Das Werkzeug liefert standortbezogene Monats- und Jahreswerte.

Der Jahresertrag allein beantwortet aber noch nicht die entscheidende Frage: Wie gut passt die Produktion zum tatsächlichen Bedarf? Ähnliche Jahresverbräuche können je nach Nutzungsprofil zu völlig unterschiedlichen PV-Konzepten führen.

PlanungsebeneZentrale Frage
VerbrauchWann und in welcher Höhe wird Strom benötigt?
ErzeugungWann und in welcher Höhe steht PV-Strom zur Verfügung?
Standort und GebäudeWelcher Ertrag ist möglich, welche Flächen sind nutzbar und welche zusätzlichen Lasten kann das Gebäude aufnehmen?
DimensionierungWelche Generatorleistung passt zum Anwendungsfall?
Speicher und EnergiemanagementWie können Erzeugung und Verbrauch zeitlich besser aufeinander abgestimmt werden?
NetzanschlussWelche technischen Bedingungen und Leistungsgrenzen sind zu berücksichtigen?
WirtschaftlichkeitWelche Variante passt technisch und wirtschaftlich zum Betrieb?

Für die Dimensionierung ist ein zeitlich aufgelöstes Lastprofil deutlich aussagekräftiger als der Jahresverbrauch allein. Es zeigt, wann Lastspitzen auftreten und wie gut sie mit der PV-Erzeugung zusammenfallen. Je besser Erzeugung und Verbrauch zusammenpassen, desto höher kann der Eigenverbrauch sein.

Neben Eigenverbrauch und Autarkie gewinnt künftig auch die Leistung am Netzanschlusspunkt an Bedeutung. Mit der neuen österreichischen Netzentgeltstruktur ab 1. Jänner 2027 soll die tatsächlich beanspruchte Leistung stärker berücksichtigt werden. Hohe Lastspitzen können damit stärker auf die Netzkosten wirken.

Gerade hier wird der Batteriespeicher in Verbindung mit einem intelligenten Energiemanagementsystem besonders wichtig. Er kann PV-Überschüsse speichern, Lastspitzen reduzieren und flexible Verbraucher wie Wärmepumpe, Elektroauto oder Warmwasserbereitung gezielt dann einsetzen, wenn ausreichend eigener Strom verfügbar ist.

Dadurch lässt sich nicht nur der Eigenverbrauch erhöhen, sondern auch der Netzbezug optimieren. Gleichzeitig können Netzkosten reduziert und Leistungsspitzen im öffentlichen Stromnetz vermieden werden. Der Speicher wird damit vom reinen Energiespeicher zu einem aktiven Bestandteil des Energiemanagements.

Auch die Ausrichtung der PV-Anlage beeinflusst das Erzeugungsprofil. Eine Ost-West-Ausrichtung verteilt die Produktion stärker auf Vor- und Nachmittag, während eine Südausrichtung höhere Mittagsspitzen erzeugen kann.

Portrait Thomas Fleischhacker

DI (FH) Ing. Thomas Fleischhacker, Bereichsmanager Energie- und Umwelttechnik am WIFI Steiermark, bringt es auf den Punkt: Entscheidend ist nicht allein, wie viel Strom erzeugt oder verbraucht wird, sondern wie gut Erzeugung und Verbrauch aufeinander abgestimmt sind und welche Möglichkeiten Gebäude und Netzanschluss bieten. Speicherlösungen und intelligentes Energiemanagement gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung, um den Eigenverbrauch zu erhöhen, Leistungsspitzen zu reduzieren und Netzkosten gezielt zu optimieren.

„Photovoltaik neu zu denken, bedeutet daher, den Eigenverbrauch in den Mittelpunkt zu stellen.“

Die Gebäudestatik setzt den Rahmen

Bei der Planung einer Photovoltaikanlage darf die Betrachtung nicht bei der verfügbaren Dachfläche enden. Eine wesentliche Grundlage ist die Gebäudestatik. Module, Unterkonstruktion, Ballastierung sowie Schnee- und Windlasten wirken zusätzlich auf das Tragwerk ein.

Dachzustand, Tragfähigkeit und die statischen Randbedingungen sollten deshalb möglichst früh geklärt werden. Erst auf dieser Grundlage lässt sich seriös beurteilen, welche Flächen tatsächlich belegt werden können und welches Montagesystem technisch geeignet ist.

Module und Wechselrichter als System betrachten

Bei der elektrischen Auslegung zählen neben den Nennleistungen auch Spannung und Strom der verschalteten Module, die Zahl der Module pro String und die Eingangsbereiche des Wechselrichters. MPP-Tracker sind etwa bei unterschiedlich ausgerichteten Dachflächen relevant.

DC-Modulleistung und AC-Nennleistung müssen nicht identisch sein. Die passende Relation hängt vom Anlagenkonzept, der Ausrichtung, dem Erzeugungsprofil und dem erwarteten Betrieb ab.

Auch hier zeigt sich: Einzelne Komponenten dürfen nicht isoliert betrachtet werden. PV-Generator, Wechselrichter, Batteriespeicher, Verbraucher und Netzanschluss bilden gemeinsam ein Energiesystem.

Speicher und Energiemanagement verbinden Erzeugung und Verbrauch

Ein Batteriespeicher ist heute weit mehr als eine zusätzliche Komponente neben der Photovoltaikanlage. In Verbindung mit einem intelligenten Energiemanagementsystem kann er einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen.

Die Kapazität in kWh beschreibt die speicherbare Energiemenge, die Leistung in kW, wie schnell Energie aufgenommen oder abgegeben werden kann. Für eine sinnvolle Dimensionierung muss daher analysiert werden, wann Überschüsse entstehen, wie groß diese sind und wann später wieder Energie benötigt wird.

Der eigentliche Schlüssel liegt zunehmend in der Kombination aus Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemanagement. Ein Energiemanagementsystem kann Verbraucher gezielt dann aktivieren oder deren Leistung erhöhen, wenn ausreichend eigener Solarstrom vorhanden ist.

Das betrifft beispielsweise:

  • Wärmepumpen, die Wärme gezielt während hoher PV-Erzeugung bereitstellen können,
  • Elektrofahrzeuge, deren Ladeleistung an den verfügbaren PV-Überschuss angepasst werden kann,
  • Warmwasserbereitung oder Heizstäbe,
  • Kälte- und Klimaanlagen,
  • Produktionsanlagen und verschiebbare betriebliche Verbraucher,
  • sowie künftig weitere flexible Verbraucher und Speicher.

Damit verändert sich auch die Planungsfrage. Statt nur zu überlegen, wie viel Strom gespeichert werden kann, wird entscheidend, wie elektrische Verbraucher, thermische Speicher, Batteriespeicher und Erzeugungsanlage gemeinsam gesteuert werden können.

Ein intelligentes System kann beispielsweise zuerst den unmittelbaren Strombedarf decken, anschließend ein Elektrofahrzeug laden oder eine Wärmepumpe ansteuern und verbleibende Überschüsse in der Batterie speichern. Erst danach wird nicht benötigte Energie in das öffentliche Netz eingespeist.

So wird aus einer Photovoltaikanlage zunehmend ein aktiv gesteuertes Energiesystem.

Gebäude und Netzanschluss früh mitdenken

Neben der Statik beeinflussen Dachzustand, Unterkonstruktion, Brandschutz, Leitungswege und technische Infrastruktur die mögliche Lösung. Gleichzeitig setzt auch der Netzanschluss Rahmenbedingungen.

Die installierbare PV-Leistung und die mögliche Einspeiseleistung müssen nicht zwangsläufig identisch sein. Je nach Netzsituation können technische Vorgaben oder Begrenzungen bestehen.

Gerade dann gewinnen Eigenverbrauch, Batteriespeicher und Energiemanagement zusätzlich an Bedeutung. Kann nicht jede erzeugte Kilowattstunde jederzeit ins Netz eingespeist werden, sollte bereits in der Planung untersucht werden, wie möglichst viel Energie direkt im eigenen Gebäude genutzt, gespeichert oder gezielt Verbrauchern zur Verfügung gestellt werden kann.

Wirtschaftlichkeit braucht Varianten

Die Frage nach der Amortisationsdauer greift oft zu kurz. Neben Modulen und Wechselrichter gehören auch Montagesystem, Installation, Planung, statische Beurteilung, Speicher, Energiemanagement und Netzanschluss in die Betrachtung.

Auf der Nutzenseite stehen vor allem vermiedener Strombezug und Erlöse aus der Einspeisung. Hinzu können weitere Vorteile kommen, beispielsweise eine Reduktion von Leistungsspitzen oder eine bessere Nutzung eigener Energie durch flexible Verbraucher.

Aussagekräftiger wird die Rechnung, wenn mehrere Varianten miteinander verglichen werden:

Wie verändert sich das Ergebnis bei unterschiedlicher Generatorgröße? Welchen Einfluss hat die Ausrichtung? Was bewirkt ein Speicher? Wie verändert sich der Eigenverbrauch, wenn eine Wärmepumpe oder ein Elektrofahrzeug intelligent eingebunden wird? Und welche Auswirkungen hat eine Begrenzung der Einspeiseleistung?

Die wirtschaftlich passende Anlage muss deshalb nicht jene mit der höchsten installierten Leistung sein. Entscheidend ist das Gesamtsystem aus Erzeugung, Verbrauch, Speicherung und Steuerung.

Ein Produktionsbetrieb zeigt den Unterschied

Nehmen wir einen Produktionsbetrieb mit großer Dachfläche und hohem Stromverbrauch während der Werktage. Am Wochenende bleibt dagegen nur eine geringe Grundlast, wodurch größere PV-Überschüsse entstehen können.

Eine vollständige Dachbelegung ist daher nicht automatisch die wirtschaftlich beste Lösung. Neben Gebäudestatik, Lastprofil und Netzanschluss muss auch berücksichtigt werden, wann und zu welchen Bedingungen Strom eingespeist wird. Bei größeren Anlagen können etwa durch negative Strompreise oder Abweichungen zwischen prognostizierter und tatsächlicher Einspeisung zusätzliche Kosten entstehen.

Ein Batteriespeicher mit intelligentem Energiemanagement kann solche Überschüsse aufnehmen, Last- und Einspeisespitzen reduzieren und flexible Verbraucher wie sowie Produktionsanlagen gezielt steuern.

Damit verbessert der Speicher nicht nur den Eigenverbrauch, sondern kann auch Netzkosten, Vermarktungsrisiken und Netzbelastungen reduzieren.

Welche Anlagen- und Speichergröße optimal ist, lässt sich daher nur anhand realer Verbrauchs-, Erzeugungs-, Gebäude-, Netz- und Kostendaten beurteilen.

Vom Montieren zum Projektieren

Für Fachkräfte eröffnet die PV-Planung zusätzliche Aufgabenfelder. Wer bisher vor allem Anlagen montiert oder elektrische Komponenten installiert hat, kann vorhandenes Fachwissen um Planung und Projektierung erweitern.

Dabei reicht es nicht, nur Komponenten auszuwählen. Normen und Vorgaben für die Elektroinstallation, Anforderungen an den Brandschutz, die Statik des Daches sowie eine fundierte Ertragsberechnung sind wesentliche Grundlagen für eine fachgerechte Planung und die realistische Darstellung des geplanten Systems.

Denn moderne Photovoltaikplanung endet nicht mehr beim Wechselrichter. Sie verbindet Gebäude, Stromerzeugung, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Elektromobilität und weitere Verbraucher zu einem technisch abgestimmten Gesamtsystem.

Genau dieses Systemverständnis wird künftig nicht nur in Planung und Energieberatung, sondern auch in Architektur, technischem Vertrieb und Backoffice zunehmend gefragt sein.

Passende Weiterbildung am WIFI Steiermark

Das WIFI Steiermark bietet mit dem Lehrgang Photovoltaiktechniker/in bzw. Photovoltaikplaner/in eine modular aufgebaute Weiterbildung von den Grundlagen bis zur vertieften Planung und Praxis.

Im Modul Basic stehen unter anderem Funktionsweise und Projektierungsgrundlagen, PV-Generatoren und Wechselrichter, Batteriespeicher, Normen, Netzbetreiberabstimmung sowie Kosten und Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt.

Das Modul Expert vertieft die Planung mit Themen wie Montagesysteme und Statik, Brandschutz, Blitz- und Überspannungsschutz, Speichersysteme, Lastprofile, Eigenverbrauch und Autarkie sowie E-Mobilität und Power-to-Heat. Die Teilnehmer planen und bewerten Photovoltaik- und Batteriesysteme dabei auch mit Simulationssoftware.

Ergänzend bietet das WIFI mit den Modulen Montage und Practice praxisorientierte Schwerpunkte – von Arbeiten an unterschiedlichen Dachkonstruktionen bis zur normgerechten Prüfung, Messung, Dokumentation und Übergabe von PV-Anlagen. Eine weiterführende Zertifizierung als Photovoltaiktechniker/in bzw. -planer/in ist ebenfalls möglich.

Damit deckt die Ausbildung wesentliche Bereiche ab, die für moderne Photovoltaikprojekte entscheidend sind: von der sicheren Montage und normgerechten Installation über Statik und Speichersysteme bis zur Planung und wirtschaftlichen Bewertung des gesamten Energiesystems.

Fazit

Eine moderne Photovoltaikanlage ist heute weit mehr als eine möglichst große belegte Dachfläche. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Erzeugung, Verbrauch, Speicher, Energiemanagement, Gebäudestatik und Netzanschluss.

Gerade Batteriespeicher und intelligente Steuerung gewinnen dabei an Bedeutung: Sie erhöhen den Eigenverbrauch, reduzieren Last- und Einspeisespitzen und ermöglichen es, Verbraucher gezielt an die eigene Stromerzeugung anzupassen.

Eine gute Planung betrachtet deshalb nicht einzelne Komponenten, sondern das gesamte Energiesystem – technisch, wirtschaftlich und mit Blick auf zukünftige Anforderungen des Stromnetzes. Genau dafür braucht es qualifizierte Fachkräfte, die Photovoltaik nicht nur montieren, sondern ganzheitlich planen und projektieren können.

Quellen und weiterführende Informationen

Europäische Kommission, Joint Research Centre: Photovoltaic Geographical Information System PVGIS. PVGIS der Europäischen Kommission.

klimaaktiv: Fachinformationen zu Photovoltaik, Eigenverbrauch und Batteriespeichern. Photovoltaik bei klimaaktiv.

WIFI Steiermark: Lehrgang Photovoltaiktechniker/in bzw. Photovoltaikplaner/in – Modul Basic und Expert.

WIFI Steiermark:Technische Beratung für Energieeffizienz: Die neue Zusatzqualifikation für Profis“. WIFI Blog.

Bildcredits: © Dusan Petkovic | stock.adobe.com (Header), © WIFI Steiermark (Portrait T. Fleischhacker)

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