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Technik, technische Gewerbe

Zukunft Handwerk macht KI und Automatisierung greifbar

Wer über KI, Cobots oder automatisierte Abläufe im eigenen Betrieb nachdenkt, muss zuerst wissen, was davon wirklich passt. Bei Zukunft Handwerk erleben Teilnehmende konkrete Anwendungen, sprechen mit Fachleuten und können danach besser einschätzen, welche Technologien für den eigenen Betrieb interessant sind.

Künstliche Intelligenz und Automatisierung eröffnen neue Möglichkeiten für Produktion, Handwerk und Gewerbe. Ob eine Technologie zum eigenen Betrieb passt, zeigt sich aber oft erst bei genauerem Hinsehen.

Die Impulstagung WIFI Excellence - Zukunft Handwerk: Tradition trifft Algorithmus am 15. Oktober 2026 im WIFI Center of Excellence in Graz verbindet Fachwissen mit konkreten Anwendungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich KI, Robotik und Automatisierung sinnvoll in der betrieblichen Praxis einsetzen lassen.

Vom Technologietrend zum eigenen Prozess

Wer sich mit Automatisierung beschäftigt, findet schnell viele technische Lösungen. Schwieriger ist zu erkennen, welche davon ein konkretes Problem im eigenen Betrieb lösen kann.

Bei Zukunft Handwerk zeigt Hannes Fassold von JOANNEUM RESEARCH Anwendungen von KI und Automatisierung in Produktion, Handwerk und Gewerbe. Magna Presstec gibt Einblicke in Projekte mit Cobots, also kollaborativen Robotern, und zeigt Erfahrungen aus bereits realisierten sowie geplanten Anwendungen.

Der entscheidende Schritt ist die Übertragung auf den eigenen Arbeitsalltag. Aus der allgemeinen Überlegung „Könnten wir einen Roboter einsetzen?“ wird die konkretere Frage: Welcher unserer Prozesse wäre dafür geeignet?

Nehmen wir einen metallverarbeitenden Betrieb mit regelmäßig wiederkehrenden Schweißarbeiten. Dort könnte ein Cobot interessant sein. Vor einer Investition müsste aber geklärt werden, wie gut sich der Arbeitsschritt automatisieren lässt, wie flexibel die Lösung bei wechselnden Aufträgen sein muss und was sich dadurch für die Beschäftigten verändert.

Bei Zukunft Handwerk lässt sich eine solche Anwendung direkt beobachten: Die Maschinenfabrik Springer demonstriert kollaboratives Schweißen mit Cobots. Das liefert keine fertige Lösung für jeden Betrieb. Es zeigt aber, worauf bei einem eigenen Projekt zu achten wäre.

Technik live sehen und besser beurteilen

Eine Robotiklösung auf einer Präsentationsfolie zu sehen ist etwas anderes, als sie in Aktion zu erleben.

Neben dem kollaborativen Schweißen präsentiert Universal Robots Leichtbaurobotik. Bei SPIE ESCAD wird das Zusammenspiel eines Systems für automatisierte Materialflüsse mit einem autonomen mobilen Roboter gezeigt.

Vor Ort wird sichtbar, welche Aufgaben solche Systeme übernehmen können und wo ihre Grenzen liegen. Gleichzeitig können Teilnehmende ihre Fragen direkt mit Fachleuten besprechen.

Gerade für Betriebe am Anfang eines Automatisierungsvorhabens ist das hilfreich. Sie müssen noch keine fertige Investitionsentscheidung mitbringen. Ein Prozess, ein wiederkehrendes Problem oder eine erste Idee reichen, um die gezeigten Anwendungen mit der eigenen Situation zu vergleichen.

Was Teilnehmende nach dem Tag besser beurteilen können

Zukunft Handwerk soll vor allem Orientierung geben. Teilnehmende müssen danach nicht jede Technologie im Detail beherrschen. Sie sollten aber klarer einschätzen können,

  • welcher Prozess im eigenen Betrieb eine genauere Prüfung wert ist,
  • welche Technologien dafür grundsätzlich infrage kommen,
  • welche technischen und organisatorischen Fragen noch offen sind,
  • welches Wissen im Unternehmen benötigt wird und
  • ob bereits ein nächster Schritt sinnvoll ist.

Darin liegt ein wesentlicher Nutzen des Veranstaltungstags: Nicht möglichst viele neue Technologien kennenzulernen, sondern die für den eigenen Betrieb relevanten besser beurteilen zu können.

Bei Automatisierung geht es nicht nur um Maschinen

Ein Cobot kann technisch hervorragend funktionieren und trotzdem nicht zum Betrieb passen, denn neue Technologien verändern häufig auch Arbeitsabläufe, Aufgaben und benötigte Kompetenzen. Zukunft Handwerk beschäftigt sich deshalb auch damit, wie KI und Automatisierung in bestehende Prozesse und Teams integriert werden können. Es geht nicht nur darum, was die Technik kann, sondern auch darum, was der Betrieb für ihren sinnvollen Einsatz braucht.

Portrait Lukas Zlattinger
Lukas Zlattinger, Leiter Bildungsmanagement Angewandte Technologien am WIFI Steiermark

Wer KI oder Robotik einsetzen möchte, braucht dafür auch neues Wissen im Unternehmen. „Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind die wichtigsten Themen in der heutigen Weiterbildung für Unternehmen,“ erklärt Lukas Zlattinger, Bildungsmanager für Technik am WIFI Steiermark.

Für ein Automatisierungsprojekt kann das sehr praktisch werden: Beschäftigte müssen mit neuen Systemen arbeiten können, Verantwortliche müssen deren Möglichkeiten und Grenzen verstehen und Abläufe gegebenenfalls angepasst werden. Die Veranstaltung kann helfen zu erkennen, welches Wissen dafür noch fehlt und wo eine vertiefende Beschäftigung sinnvoll wäre.

Auch Grenzen gehören zu einer guten Entscheidung

Nicht jede technisch mögliche Automatisierung sollte sofort umgesetzt werden. Sicherheit, Dokumentation und Verantwortlichkeiten müssen ebenfalls geklärt sein.

Portrait Christoph Ryll
Christoph Ryll, Robotics Consulting

Christoph Ryll von Robotics Consulting behandelt bei Zukunft Handwerk unter anderem den Einfluss von KI auf Programmierung, Betrieb und Dokumentation von Cobots. Auch technische und rechtliche Grenzen sowie Fragen zu Verantwortung, Abnahme und Konformität stehen auf dem Programm.

Gerade diese Themen können für eine Investitionsentscheidung wichtig sein. Auch die Erkenntnis, dass ein Projekt noch zu früh kommt, kann wertvoll sein – etwa weil technische Voraussetzungen fehlen oder zuerst Wissen im Betrieb aufgebaut werden muss.

Von Erfahrungen anderer Betriebe lernen

Nicht jede wichtige Erfahrung steht in einem technischen Datenblatt. Deshalb sieht Zukunft Handwerk auch Zeit für Austausch und Vernetzung vor.

Im Gespräch mit Fachleuten und beteiligten Unternehmen lassen sich Fragen stellen, die bei der eigenen Recherche oft offenbleiben: Wie geht man an ein Automatisierungsprojekt heran? Welche Voraussetzungen sollten zuerst geklärt werden? Und welche Fragen sollte man stellen, bevor Zeit und Geld investiert werden?

Für kleine und mittlere Betriebe bietet sich damit die Gelegenheit, eigene Überlegungen mit Erfahrungen aus der Praxis abzugleichen.

Zukunft Handwerk am WIFI Steiermark

Die Impulstagung WIFI Excellence - Zukunft Handwerk: Tradition trifft Algorithmus findet am 15. Oktober 2026 im WIFI Center of Excellence in Graz statt. Für die Veranstaltung sind acht Stunden vorgesehen. Fachimpulse zu KI und Automatisierung, praktische Demonstrationen und Erfahrungsaustausch bilden gemeinsam das Programm.

Zukunft Handwerk bietet keinen fertigen Fahrplan für jeden Betrieb. Die Veranstaltung kann aber helfen, aus einem allgemeinen Interesse an KI und Automatisierung eine konkrete Frage für das eigene Unternehmen zu machen.

Wer nach dem Tag weiß, welchen Prozess er genauer prüfen sollte – oder warum eine bestimmte Technologie derzeit noch nicht zum Betrieb passt –, ist bei seiner Entscheidung einen wichtigen Schritt weiter.

Bildcredits: © Maksym Tereshchenko | stock.adobe.com (Header), © WIFI Steiermark (Portrait L. Zlattinger), © Mica Zeitz | Jung und Wild design (Portrait C. Ryll)

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