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Wie KI und Social Media Friseur:innen vor neue Beratungsherausforderungen stellen

Früher blätterten Kund:innen durch Friseurkataloge, heute zeigen die meisten ein perfektes Bild auf ihrem Handy. Doch nicht jeder Wunschlook lässt sich 1:1 umsetzen. Beratungsgespräche werden kompliziert. Denn wie erklärt man als Friseur:in, dass Social-Media- und KI-Bilder oft alles andere als realistisch sind?

Warum KI- und Social-Media-Bilder oft täuschen

KI-generierte Bilder und Posts auf Instagram, TikTok, Pinterest & Co. sind oft echte Eyecatcher: Sie zeigen Haare in perfektem Licht, mit intensivem Glanz, idealer Farbe und unglaublichem Volumen. Für Kund:innen sind solche Bilder Inspirationen, doch für Friseur:innen nicht immer eine realistische Vorlage. Dafür gibt es mehrere Ursachen:

  • Filter: Fotos werden auf Social Media häufig mit Filtern versehen. Farben wirken dadurch intensiver, Haare glänzender und der Look viel perfekter als in der Realität.
  • Bildbearbeitung: Mit den verschiedensten Apps lassen sich Haarfarbe, Highlights, Form, Volumen und Struktur verändern. Auch Frizz und abstehende Strähnen kann man problemlos digital entfernen.
  • Unrealistisches Volumen: KI-generierte Bilder zeigen oft eine Haarfülle, die mit echtem Haar unmöglich zu erreichen ist. Haarstruktur und Dichte werden dabei meist ignoriert.

Was Friseur:innen vor der Umsetzung prüfen müssen

Eine entscheidende Rolle spielt die Ausgangslage der Haare. Alle Kund:innen bringen eine individuelle Haarstruktur, Haarfarbe und Haargeschichte mit. Deshalb ist nicht jeder Look für jede Person umsetzbar. „Es gibt zum Beispiel sehr helle Blondtöne, die für gewisse Kund:innen einfach nicht machbar sind, weil ihre Grundlage zu dunkel oder vorkoloriert ist“, erklärt WIFI-Trainer, L’Oréal Professionnel Artist und Gründer von Noble Style Stefan Taucher.

Bevor ein Look umgesetzt wird, sollten Friseur:innen daher folgende Faktoren klären:

  • Welche Ausgangsfarbe hat das Haar?
  • Wie ist die Haarstruktur?
  • Wie gesund ist das Haar?
  • Welche chemischen Behandlungen wurden bereits gemacht?
  • Wie viel Zeit und Budget stehen zur Verfügung?
  • Wie viel Stylingaufwand ist im Alltag realistisch?
Friseurin
KI und Social Media ersetzen das Friseurhandwerk keineswegs. Ganz im Gegenteil: Sie zeigen, wie wichtig fachliche Kompetenz, professionelle Beratung und individuelle Haaranalysen sind.

Ehrliche Beratung statt falscher Versprechen

Ein gutes Beratungsgespräch klärt, welcher Look gewünscht ist und wie dieser realistisch erreicht werden kann. Dabei sollten Friseur:innen immer die langfristige Gesundheit der Haare im Blick behalten.

Um enttäuschte Gesichter zu vermeiden, müssen Friseur:innen transparent sein. Wichtig ist dafür zunächst herauszufinden, was genau den Kund:innen an den Bildern gefällt. Das könnten etwa Farbe, Schnitt, Länge oder Styling sein. Wenn das klar ist, kann professionell erklärt werden, welche Elemente übernommen werden können und wo Anpassungen nötig sind. Taucher bringt es mit seinem Motto auf den Punkt: „Versprecht nichts, was ihr nicht halten könnt“. Das bedeutet aber nicht, Kund:innen mit einem „Das geht nicht“ abzuweisen. Friseur:innen sollten verständlich und empathisch erklären, warum ein Look nicht 1:1 umsetzbar ist und welche Alternativen möglich sind.

Wenn ein gewünschtes Ergebnis nicht in einem Termin erreichbar ist, sollten außerdem Zwischenschritte besprochen werden. Falls der gewünschte Look nicht mit einem Termin realisierbar ist, sollten außerdem Zwischenschritte abgeklärt werden.

„Ein Friseur ist eine Vertrauensperson, die dich so gut informiert, dass du das Bestmögliche aus deinen Haaren rausholen kannst“, so Taucher. Dazu gehören auch Pflege- und Stylingtipps, damit der Look gut funktioniert.

Stefan Taucher
Stefan Taucher: WIFI-Trainer, L’Oréal Professionnel Artist und Gründer von Noble Style

KI und Social Media als Chance für Friseur:innen

Trotz aller Herausforderungen bieten Künstliche Intelligenz und Social Media auch Chancen. Kund:innen können heutzutage aus zahlreichen Vorlagen auswählen und ihren Friseur:innen so besser zeigen, was genau sie sich wünschen. „Vor zehn Jahren war die Beratung noch schwieriger. Heute ist es einfacher – man sieht das Foto, kann den Schnitt analysieren und weiß ganz genau, was die Kund:innen möchten“, so Taucher.

Social Media trägt zudem dazu bei, dass häufig neue Trends entstehen. Dadurch werden Kund:innen experimentierfreudiger und möchten immer wieder mal ganz neue Frisuren ausprobieren. Für Friseur:innen kann das eine erfrischende Abwechslung sein.

Auch für die eigene Sichtbarkeit bieten Social-Media-Plattformen Chancen. Friseur:innen können ihre Arbeiten online posten, Reichweite aufbauen und neue Kund:innen ansprechen. Laut Taucher führt Social Media außerdem dazu, dass viele Menschen heute ein besseres Verständnis für Preise, Pflege und Aufwand entwickeln.

KI und Social Media ersetzen das Friseurhandwerk also keineswegs. Ganz im Gegenteil: Sie zeigen, wie wichtig fachliche Kompetenz, professionelle Beratung und individuelle Haaranalysen sind.

Weiterbildungsmöglichkeiten für Friseur:innen am WIFI Steiermark

KI-Bilder und Social-Media-Trends verändern die Erwartungen im Salon grundlegend. Wer Kund:innen bei aktuellen Trends sicher beraten möchte, braucht fundiertes Fachwissen und laufende Weiterbildung. Das WIFI Steiermark bietet dazu verschiedene Möglichkeiten an: von Trendupdates in Damenschnitttechnik oder Herrenschnittechnik über das Upgrade vom Trainee zum aufsteigenden Stylisten bis hin zur Meisterschule Modul 1 und Modul 2 und 3.

Auch für Lehrlinge gibt es ein passendes Angebot: einen Sommerkurs. Das Besondere dieses Kurses ist, dass für Sie keinerlei Kosten anfallen. 75 % der Kosten am WIFI Süd können Sie über das Programm „lehre fördern“ zurückholen, sollten die Fördervoraussetzungen erfüllt werden. Die restlichen 25 % steuert die Innung bei. Sie müssen also nur kurzfristig den Kursbeitrag vorfinanzieren.

Bildcredits: © Vera Shcherbakova | stock.adobe.com (Header), © Microgen | stock.adobe.com (Friseurin), © Markus Mansi (Portrait Stefan Taucher)

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