Mediation

"Das Reden über Probleme schafft Probleme, das Reden über Lösungen schafft Lösungen"
Steve de Shazer
Mediation
Mediation bedeutet Vermittlung und ist ein Verfahren, bei dem eine neutrale dritte Person (Mediator/in) die Beteiligten darin unterstützt, die zwischen ihnen bestehenden Konflikte durch Verhandlungen einvernehmlich zu lösen.
Ziel einer Mediation ist, dass die Konfliktparteien zu einer einvernehmlichen und für alle Beteiligten zufriedenstellenden Regelung ihrer offenen Streitfragen kommen. Im Gegensatz zu Gerichts- oder Schiedsgerichtsverfahren verhandeln sie dabei eigenverantwortlich und behalten stets die Kontrolle über ihre Streitfragen sowie den Einfluss auf das Ergebnis.
Arbeitsweise
MediatorInnen sind neutrale Personen, die für die Struktur der Verhandlungsgespräche verantwortlich sind. Sie sorgen für ein konstruktives Gesprächsklima, das es den Parteien ermöglicht, ihre jeweiligen Interessen zu wahren, über Lösungsvorschläge zu verhandeln und Konsequenzen zu überprüfen.
Sie sind darauf geschult, die Gespräche in Gang zu halten und etwaige Machtunterschiede auszugleichen. Weiters achten sie darauf, dass die ausgehandelten Lösungen realisierbar und gesetzeskonform sind, treffen aber selbst keine Entscheidungen .
Ablauf einer Mediation
- In einem Erstgespräch überprüfen die Konfliktparteien und der/die MediatorIn, ob der Fall überhaupt einer Mediation zugänglich ist. Es werden die Spielregeln der Mediation, die es einzuhalten gilt (Fairness, Offenheit), besprochen und vereinbart.
- In einem zweiten Schritt werden die Themen derjenigen Probleme gesammelt, die es zu lösen gilt. Hier kann sämtliches Konfliktpotential dargelegt werden.
- Nach der Themensammlung können die Parteien die eigenen Positionen schildern, wobei hier es besonders wichtig ist, dass nicht nur die Positionen, sondern besonders die dahinterliegenden Interessen ergründet werden, die dann vielfach eine Problemlösung möglich machen, da der Blickwinkel weg von den Standpunkten hin zu den Interessen gerichtet ist.
- Im nächsten Schritt werden dann Lösungen, die den Interessen und Bedürfnissen der Konfliktparteien entsprechen, gesucht und ausgearbeitet.
- Wenn sämtliche Konfliktthemen ausverhandelt und geregelt sind, kann dann in einem nächsten Schritt eine schriftliche Vereinbarung geschlossen werden.
Anwendungsbereiche
Die Methode wurde in den 70er Jahren in den U.S.A. entwickelt und wird mittlerweile erfolgreich in vielen Feldern angewendet.
Konflikte in der Familie (Scheidung, Erziehung, Eltern/Kinder), Konflikte in der Wirtschaft (Streitigkeiten aus Verträgen, Mobbing), Konflikte in der Schule (Schüler /Lehrer/, Lehrer/Verwaltung), Konflikte zwischen Konsumenten und Händlern (Reparaturen, Service, Gewährleistung), Nachbarschaftskonflikte (Lärm-, Geruchsbelästigung, Haustiere), Konflikte in der Kommunalpolitik (Flächennutzungspläne), Konflikte zwischen Mietern und Vermietern (Kaution, Miete, Betriebskosten), Umweltkonflikte (Umweltverträglichkeitsprüfungen), Konflikte in der Justiz (Täter - Opferausgleich ) usw.
STATEMENTS
Statt Konflikten neue Perspektiven
„Ein Techniker und ein Kaufmann haben gemeinsam ein Unternehmen geführt und ein zukunftsweisendes Produkt entwickelt. Dann kam es zum Streit, der Fortbestand des Unternehmens war gefährdet. Erst im Rahmen der Mediation haben die beiden das erste Mal wieder miteinander geredet – und schließlich haben sie gemeinsam eine Lösung gefunden.“ So schildert Sven Gillissen einen seiner Mediationsfälle.
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Sven Gillissen:
„Mediation bewährt sich als Weg zur Konfliktlösung auf vielen Gebieten.“ |
Sven Gillissen ist Unternehmensberater, selbst Geschäftsführer in zwei Unternehmen – und seit dem Lehrgang für Mediation am WIFI auch Mediator. „Ich komme aus dem IT-Bereich, einem sehr konfliktträchtigen Arbeitsgebiet. Und ich habe gelernt: es gibt bessere Methoden, als mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.“
Wirtschaftsmediation wird erst nach und nach in Anspruch genommen. „80 Prozent der Fälle betreffen Familienmediation“, berichtet Sven Gillisen, der gemeinsam mit acht Kolleginnen und Kollegen die Plattform mediation-graz.at gegründet hat. „Erfolgreiche Mediation wird von verschiedensten Faktoren geprägt – und das WIFI bereitet wirklich umfassend auf die Praxis der Mediation vor“, bestätigt Sven Gillissen. „Es ist ein anspruchsvoller Lehrgang auf einem sehr hohen Niveau.“
Mediation bewährt sich wirklich vielseitig
„Es gibt keinen Lebensbereich, in dem man nicht mit Mediation wirkungsvoll eingreifen könnte“, ist Judith Jaindl überzeugt. „Was geschieht nach einem Krankenhausaufenthalt? Vor dieser Frage stehen Patienten genau so wie Angehörige!“ Seit September 2007 setzt Judith Jaindl das von ihr entwickelte Konzept der Pflegemediation am LKH in Hartberg um.
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Judith Jaindl:
„Inmitten aller Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten.“ |
Judith Jaindl ist Diplom-Gesundheits- und -Krankenschwester und hat ihr Konzept im Rahmen ihrer Diplomarbeit für den Mediationslehrgang am WIFI ausgearbeitet. „Ich führe die Pflege- und Entlassungsberatung durch – und wo sich Problemsituationen zeigen, führe ich durch Pflegemediation zu einvernehmlichen Lösungen.“
Die Methodik und die Instrumente der Mediation entsprechen genau den Fragestellungen, die sich bei der Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger in der Familie ergeben. „Als Mediatorin kann ich die Familienmitglieder zu Grundsatz- und Detailvereinbarungen führen, die den Patienten helfen und die Pflegenden nicht überfordern.“
Ihre Erfahrungen im Mediationslehrgang fasst Judtih Jaindl so zusammen: „Souveräne TrainerInnen, ein umfassender Zugang zur Mediation und viele praxisnahe Anleitungen.“
Konfliktlösung auf Augenhöhe
„Das Entscheidende an der Mediation ist, dass sie die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt stellt und die Streitenden in einem Konflikt selbst die Lösungen entwickeln lässt“, erläutert Gerhard Liebmann, lange im Sozialmanagement tätig und nun, nach dem WIFI Lehrgang, Mediator.
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Gerhard Liebmann:
„Als Mediator fördert man die Eigenverantwortung.“ |
„Stellen Sie sich vor, ein Jugendlicher hat Probleme an seiner Lehrstelle. Im Zuge einer Mediation kommt er nun gleichberechtigt zu Wort“, stellt Gerhard Liebmann an einem Beispiel dar. „Dabei können auch Hintergründe für die Konflikte zur Sprache kommen, die in anderen Lebensbereichen liegen.“
Lösungen, die in der Mediation gefunden werden, sind besonders nachhaltig - und soziale Nachhaltigkeit war schon bisher das Arbeitsgebiet von Mag. Gerhard Liebmann im Projekt „sozialprofit“ bei Alpha Nova. „Jetzt lege ich den Schwerpunkt auf die Entwicklung von Projekten für den Einsatz der Mediation in der Jugendarbeit.“
Mit Mediation Konflikte lösen
„Die Mediation ist eine Methode, Konfliktparteien dazu zu führen, von sich aus zu einer Einigung zu finden. Das Wissen über die Prozesse zur Konfliktlösung ist in vielen Führungsfunktionen wertvoll, auch wenn man selbst nicht beruflicher Mediator werden will“, erläutert Theodor Höfer .
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Mag. Theodor Höfer:
„Das Ziel ist: vermitteln, ausgleichen, Zukunft gestalten.“ |
Theodor Höfer ist Jurist und leitet die verwaltungspolizeiliche Abteilung der Bundespolizeidirektion Graz. „Die Mediation war für mich ein Thema, das mich unabhängig von meiner beruflichen Tätigkeit sehr interessiert hat. Aber natürlich ergibt es sich, dass man die erlernten Techniken anwendet, wo immer es Konflikte zu lösen gilt.“
Mit dem Lehrgang Mediation bietet das WIFI eine umfassende, dreisemestrige berufsbegleitende Ausbildung an, die den Bestimmungen der Zivilrechts-Mediations-Ausbildungsverordnung entspricht und zur Ausübung der Mediation befähigt: bei Konflikten in der Familie, der Wirtschaft, der Kommunalpolitik, in Nachbarschafts- und Umweltfragen.
Einigung bevor sich die Fronten verhärten
„Es gibt viele große Projekte, die besser gelaufen wären, hätte man von vornherein einen Mediator eingesetzt“, verweist Dr. Josef Puntigam auf große Bau- und Infrastrukturvorhaben, bei denen verhärtete Fronten eine rasche und erfolgreiche Umsetzung verhindert haben. „Mediation hilft dabei, Vertreter unterschiedlicher Ansichten zu einer respektvollen Diskussion und schließlich zum Konsens zu führen.“
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Dr. Josef Puntigam:
„Mediation sichert faire und nachhaltige
Lösungen für die Zukunft.“
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Bis Ende 2004 war Josef Puntigam Leiter der Naturschutzbehörde in der Steiermark, seit Beginn dieses Jahres ist er Mediator. „Ich kann das Wissen aus dem Mediationslehrgang am WIFI gut mit meinen Erfahrungen als Verhandlungsleiter in vielen Verfahren verbinden.“
Gemeinsam mit Mag. Brigitte Heiden bietet er als „Team für Konfliktmanagement“ schon im Vorfeld neuer Projekte Co-Mediation als Hilfestellung an: „Je frühzeitiger man Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten miteinander ins Gespräch bringt, moderiert von Mediatoren, desto früher kommt man zu einem Ziel, mit dem beide Seiten einverstanden sind.“
Mediation hilft Konflikte lösen
„Wenn die Kommunikation nicht funktioniert, eskaliert jeder Streit. Als Mediator fördert man die fehlende Kommunikation und hilft den streitenden Parteien, selbst eine Lösung des Konflikts zu finden.“, beschreibt Dr. Hannes K. Müller die Aufgabe der Mediation.„Mediatoren brauchen – neben den Fachkenntnissen aus dem eigenen Beruf – eine qualifizierte Ausbildung.
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Dr. Hannes K. Müller,
Rechtsanwalt und Mediator:
„Beide Seiten gewinnen.“
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Diese fachliche Qualifikation ist, wenn es sich um Mediation in Zivilrechtssachen handelt, nun durch ein eigenes Gesetz geregelt.“, erläutert Dr. Müller.
Konfliktanalysen und Moderation, Interventionsmodelle und umfassende Rechtskenntnisse sind Themen der Ausbildung zum Mediator, die im WIFI Steiermark in einem dreisemestrigen Wochenend-Lehrgang angeboten wird.
„Eine Lösung, die man gemeinsam findet, ist immer besser, als ein langer Rechtsstreit. Der Mediator hilft dabei, dass am Ende keiner der Verlierer ist.“ Und daher - so ist sich Dr. Müller sicher - wird Mediation in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen.
Literaturhinweise zum Downloaden (12KB)

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